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Herrn
Stefan Mitterbuchner
Sehr geehrter Herr Mitterbuchner!
Ich habe Ihr E-Mail vom 19. Dezember erhalten und mit großer Aufmerksamkeit gelesen.
Sie haben im Prinzip völlig Recht, aber ich nehme an, dass Sie auch wissen, wo die Probleme liegen. Die Vereinten Nationen haben mit aller Deutlichkeit auf die Probleme der Dritten Welt hingewiesen. Wir wissen alle, wie viele Menschen unter den Grenzen des Existenzminimums leben müssen. Wir wissen, wie viele Menschen kein Dach über dem Kopf haben und wie viele Menschen keine Gesundheitsvorsorge haben. Wir wissen auch, wie viele Kinder keine Schule besuchen können und wir wissen auch, dass Milliarden Euro für Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden und dass dies dennoch nur einen Tropfen auf dem heißen Stein darstellt. Österreich gibt mehr als eine Milliarde Euro für Entwicklungszusammenarbeit aus, aber das ist eben nur weniger als O,5% unseres Bruttonationalproduktes und je mehr man versucht, diesen Betrag zu steigern, umso mehr Gegenwind gibt es in der öffentlichen Meinung, mit dem Hinweis auf wichtige Aufgaben in Österreich für Behinderte, für Forschung, für Pflege etc. für die jeweils zu wenig Geld vorhanden ist.
Und auch die private Spendentätigkeit ist zwar erfreulich, aber beileibe nicht so, dass man daraus ein massenhaftes und überzeugendes Votum für Hilfe an Länder der Dritten Welt ablesen kann. Ihre Frage, wann der Mensch endlich begreifen wird, dass es wesentlich wäre, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen, kann ich nicht exakt beantworten, weil diese Frage einerseits im Prinzip von den meisten Menschen positiv beantwortet wird und dennoch im täglichen Leben daraus nur geringe Konsequenzen gezogen werden.
Dies ist der Versuch einer ehrlichen und realistischen Antwort, die uns aber nicht entmutigen darf.
Ich bedanke mich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen gute Feiertage und ein friedliches Jahr 2009.
Dr. Heinz Fischer |
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